Der Geist der Splüi
In den Tälern des Kantons Tessin bewahrt die Landschaft außergewöhnliche Beispiele der ländlichen Architektur „unter Felsen“. Die dargestellte Struktur ist kein einfacher Unterschlupf, sondern das Ergebnis eines tiefen bergbäuerlichen Pragmatismus.
Die Notwendigkeit: In einem rauen Gebiet war das Errichten von Bauwerken von Grund auf mit enormem Aufwand verbunden. Die logischste Lösung bestand darin, das zu nutzen, was die Natur bereits bot: riesige Felssturzblöcke oder Findlinge.
Der Einfallsreichtum: Statt den Stein zu versetzen, baute der Mensch um ihn herum. Wie die Bilder zeigen, wurden die Trockenmauern mit millimetergenauer Präzision unter den Felsen eingefügt.
Die Nutzung eines Felsblocks als Dach oder tragende Wand bedeutete eine Halbierung des Arbeitsaufwands, eine dauerhafte Stabilität gegenüber den Witterungseinflüssen sowie die Nutzung der natürlichen Wärmedämmung zur Lagerung von Käse oder zum Schutz des Viehs. Eine uralte Lektion in Kreislaufwirtschaft und Anpassungsfähigkeit.